Artikel erschienen im Magazin "Mein Haustier" - Ausgabe November/Dezember 2014, verfasst von Dr. Birgitte Degasperi
www.magazinmeinhaustier.at mit freundlicher Genehmigung

 

Der Spruch "Katzen würden W... kaufen" ist wohl allen Katzenliebhabern geläufig - wer von uns ist noch nicht darüber gestolpert? Als kleines Kind fand ich diesen Satz sehr irreführend: Katzen waren für mich Jäger, die die Natur lieben und die Freiheit und natürlich Mäuse und Vögel – was bitteschön wollen Katzen denn einkaufen?? Überdies braucht man zum Einkaufen Geld und Katzen haben doch kein Geld – völlig logisch für mich damals.

Mein einfaches kindliches Katzenbild hat sich auf ganz natürliche Weise im Laufe der Jahre verändert und ist bis heute sehr umfangreich und vielschichtig geworden. Vor kurzem aber hatte ich einen ganz besonderen Katzenpatienten, der mich sofort wieder an die Sache mit dem Einkaufen erinnert hat...

Viktor, ein 3,5 Jahre alter, männlicher kastrierter Wohnungskater wurde spätabends im Notdienst vorgestellt. Seit drei Tagen war er auffallend dünner geworden und zusätzlich berichteten die Besitzer, dass er seit einem Tag gar nichts mehr fressen würde. Vorher war Viktor schon so lustlos und matt und hatte nur sehr wenig gefressen. Erbrechen war von den Katzenhaltern nur einmal bemerkt worden. Seine zwei Katzenkameraden hingegen waren gesund und unauffällig. Viktor war mit 2,8kg Körpergewicht wirklich dünn und wies bei der klinischen Untersuchung einen minderguten Ernährungszustand auf. Seine Maulschleimhaut war blassrosa und fühlte sich trocken und sehr pappig an. Die Hauteleastizität war vermindert. Atmung und Herztöne waren normal, das Durchtasten des Bauches war nicht schmerzhaft.

Eine Blutuntersuchung zeigte neben erhöhten Leberwerten eine erhöhte Anzahl von roten Blutkörperchen und einen erhöhten Gehalt von Bluteiweiß. Die klinisch festgestellte Dehydrierung war somit objektiv bewiesen. Viktor wurde zur weiteren Abklärung stationär aufgenommen und bekam therapeutisch eine Dauertropfinfusion währen der ganzen Nacht. Ein Magenschutz, der bei der offensichtlichen Magen-Darm-Symptomatik helfen sollte, wurde auch verabreicht.

Am nächsten Tag zeigte Viktor ein deutlich besseres Allgemeinverhalten. Bei der morgendlichen Untersuchung wurde auch der Bauch kontrolliert: die Darmschlingen waren quatschend und verdickt zu spüren, wiederum zeigte der Kater keine Schmerzen. Eine Ultraschalluntersuchung des Bauchraumes wurde vorgenommen: Der Magen war erweitert und gefüllt mit Flüssigkeit, eine aufgeblähte Darmschlinge mit verdickter Darmwand wurde gesehen, im Hohlraum war eine ca. 1,5cm große Struktur erkennbar. Der Verdacht auf ein Fremdkörper im Darm wurde ausgesprochen. Ein Röntgenbild vom Bauch in zwei Richtungen wurde gemacht und sofort war die Diagnose klar – ja, es fiel dann der sprichwörtliche Groschen! Viktor hatte eine Münze im Bauch!! Aus Viktor war eine Sparkatze geworden – was hatte er sich wohl dabei gedacht...?

 

Mit den Besitzern Viktors wurde die Diagnose „Fremdkörper im Darm“ und als Therapie die dringend notwendige operative Entfernung desselben besprochen. Viktor wurde in Narkose gelegt und für den Eingriff vorbereitet. Ein einzelner Darmschnitt reichte aus, um die Münze zu entfernen. Nach der Operation wurden weiterhin Infusion verabreicht, ein Schmerztropf kam hinzu, und falls Viktor nicht fressen sollte, wurde zur Gewährleistung einer ausreichenden Ernährung eine Speisenröhrensonde gelegt. Am zweiten Tag nach der Opperation schnupperte Viktor an seiner Futterschüssel und langte schon wieder richtig zu. Die Besitzer waren für ihn einkaufen gewesen und hatten eine Dose mitgebracht – dreimal dürfen Sie raten welche!!

Die Röntgenbilder von Viktor, im seitlichen Strahlengang und auf dem Rücken liegend aufgenommen, zeigen deutlich die Münze im Darm.

 

Wie kann ich meine Katze vor einer Fremdkörperobstruktion im Darm schützen?

Zu kleines feines Spielzeug sollte von vornherein nicht gegeben werden. Jegliches Spielzeug sollte von Zeit zu Zeit kontrolliert werden, da zum Beispiel Gummibälle brüchig werden können oder Kleinteile sich von großen Objekten lösen könnten im Zuge des Verschleißes. Kinderspielzeug bietet unendlich viele gefährliche Möglichkeiten für neugierige Katzen: Inhalt der Überraschungseier, kleine Legoteilchen und vieles mehr. Falls Ihre Katze Magen-Darm-Symtome wie Erbrechen, verminderte Futteraufnahme, kleinen Kotabsatz und ähnliches zeigt und es ihr offensichtlich nicht gut geht, zögern Sie bitte nicht mit dem Besuch beim Tierarzt. Und nicht zuletzt: Seine Sie vorsichtig mit kleinen Münzen und geben Sie diese schnell ins Sparschwein, bevor Ihre Katze aktiv mit dem Sparen anfängt!
 
Viktor’s Dünndarm mit der Münze. Links im Bild geröteter Darmabschnitt mit milden Schleifspuren.

 

 

Darmschnitt bei Katzen

Der häufigste Grund für diese Operation bei Katzen ist der intestinale Fremdkörper, also ein verschlucktes Objekt, welches zu einem kompletten oder partiellen Darmverschluss geführt hat. Katzen haben einen hohen Spieltrieb und das Verschlucken von kleinen Dingen kommt sehr heufig vor. Besonders oft sind junge Katzen betroffen, aber auch erwachsene Katzen werden regelmäßig mit diesem Problem an die Klinik gebracht. Werden diese Patienten früh vorgestellt und somit zügig diagnostiziert und erfolgreich operiert, ist die Prognose in den allermeisten Fällen gut. Meist beschränkt sich die Operation auf einen einfach Darmschnitt. Falls der Darm jedoch sehr stark geschädigt ist, muss ein Stück herausgeschnitten werden und die zwei verbliebenen Darmteile wieder zusammengenäht werden. Ein Sonderfall von verschluckten Objekten bei Katzen ist der fadenförmige Fremdkörper. Dieser ist sehr gefährlich, da er den Darm gleichzeitig an vielen Stellen schädigen kann.

 
Einschnitt in den Dünndarm und Entnahme des Fremdkörpers unter Einhaltung notwendiger Vorsichtsmaßnahmen wie doppelte Abdeckung des Operationsfeldes und manuelle Abklemmung des Dünndarmes.
 
   

 Author des Artikels:

Dr. Brigitte Degasperi 

Dipl. ECVS
Europäische Fachtierärztin für Kleintierchirurgie
Vetmeduni Vienna

Klinik für Kleintiere
Abteilung Kleintierchirurgie
Department für Kleintiere und Pferd

Veterinärplatz 1, 1210 Wien

 

Quellenangaben:

Artikel erschienen im Magazin "Mein Haustier" - Ausgabe November/Dezember 2014

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